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Die britischen Einwanderungsbestimmungen schaden dem Wirtschaftswachstum

Charlie Walker, geschäftsführender Direktor einer international tätigen Personalvermittlung, weist darauf hin, dass Änderungen bei den Einwanderungsbestimmungen erforderlich sind, damit Unternehmen florieren können.

Die heutigen Einwanderungsbestimmungen behindern das Wachstum von privaten Unternehmen in Großbritannien außerordentlich. Während der emotionale Slogan der rechtspopulistischen Partei UKIP bei den Wahlen Erfolg haben könnte, zeigt die wirtschaftliche Realität doch eher, dass die konkurrierenden EU-Staaten Großbritannien überlegen sind, da sie flexiblere Vorschriften in Bezug auf hoch qualifizierte Arbeitskräfte besitzen.

Um es klarzustellen, ich will nicht bestreiten, dass der britische Arbeitsmarkt mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen hat. Die Arbeitslosigkeit ist von 5 % im April 2008 auf 7,8 % im Juni 2013 gestiegen. Doch ist es Fakt, dass der Bedarf an spezialisierten Fachkräften mit technischen Kenntnissen insbesondere in der Energie- und IT-Branche im genannten Zeitraum eher zugenommen hat als gesunken ist. Trotz der Untergangsstimmung in anderen Bereichen hat der Subsea-Teilsektor der Öl- und Gas-Branche in Großbritannien seit 2010 erstaunliche 16.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Ein ähnlicher Aufschwung zeigt sich auch in der IT-Branche. Das britische Statistikamt hat im März 2013 eine Umfrage durchgeführt und festgestellt, dass wir heute das stärkste Wachstum in den IT-Berufen seit der Dotcom-Blase der späten neunziger Jahre zu verzeichnen haben.

Offensichtlich muss eine bessere und pragmatischere Trennung zwischen den geringer und den höherqualifizierten migrationswilligen Arbeitnehmern gemacht werden. Der Strukturwandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft in Großbritannien hat zu einem signifikanten Fachkräftemangel geführt, und hier wurde seit Jahrzehnten keine Abhilfe geschaffen. Und obwohl wir es gerne hätten, dass in Großbritannien selbst mehr Fachkräfte ausgebildet werden, wird hier in absehbarer Zeit nichts geschehen.

Als der Gründer der IT- und Engineering-Personalagentur Vivid Resourcing hatte ich Gelegenheit, aus erster Hand die negativen Auswirkungen der Einwanderungsbestimmungen aus dem Jahr 2010 zu beobachten. Während Nicholas Soames, Abgeordneter Vorsitzender der Tory-Partei im parteiübergreifenden Abgeordnetenausschuss für Migrationsfragen vor kurzem behauptet hat, dass keinem einzigen Arbeiter mit Fachkenntnissen ein Visum verweigert wurde, gehen unsere Erfahrung nach 2010 eher dahin, dass das derzeitige System sehr problematisch ist.

Wir sprechen jede Woche mit neuen Kunden, die schon seit mehr als drei Monaten nach hoch qualifizierten Mitarbeitern suchen. Dies reicht von kleinen Digitalagenturen, die händeringend Webentwickler brauchen, bis zu Großunternehmen der Ölbranche in Aberdeen, die nach Ingenieuren für ihre Bohrinseln suchen. In vielen dieser Fälle beklagen diese Kunden, dass sie keine Kandidaten aus Ländern außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums einstellen können und die negativen Auswirkungen, die das auf ihr Geschäft hat: verzögerte Projekte, die Unmöglichkeit, bei Ausschreibungen für Neugeschäfte mitzubieten, oder der Verlust von Geschäftschancen an ausländische Konkurrenten.

Was gestalten sich nun die Hindernisse für die Einstellung von Nicht-EU-Arbeitnehmern in diesen Fällen? In der Theorie sollte das Einstellungsverfahren relativ einfach sein. Mehr als 20.000 Migranten können jedes Jahr als qualifizierte Fachkräfte mit einem speziellen Visum nach Großbritannien kommen. Dies ist jedoch trotz der offensichtlichen Nachfrage nicht geschehen. Für viele Unternehmen sind die Kosten für die Registrierung solcher Arbeitnehmer (8000 - 25.000 je nach Unternehmensgröße) schlicht unerschwinglich. Die Arbeitgeber sind außerdem verpflichtet, den Resident Labour Market Test durchzuführen, d.h. sie müssen die entsprechenden Stellen vier Wochen, bevor sie eine Genehmigung im Rahmen des „Tier-2-Verfahrens“ beantragen können, im Jobcenter Plus vor Ort ausschreiben. Dadurch kommt es zu einer Verzögerung von drei bis fünf Monaten. Und nur sehr wenige Unternehmen und Bewerber sind bereit, so lange zu warten.

Um diese Probleme zu lösen, müssen wir unsere Einwanderungsbestimmungen an die Regelungen anlehnen, wie sie zum Beispiel in den Niederlanden, in Deutschland und Belgien gelten. In diesen Ländern sind die Vorschriften zwar streng, doch sind sie insgesamt vernünftiger: Gibt es einen Fachkräftemangel, der die heimischen Unternehmen einschränkt, dann wird schnell darauf reagiert. Es wurde eine Mindesteinkommensgrenze eingeführt. Dies verhindert, dass die inländischen Löhne deflationär sinken und gleichzeitig werden nützliche Steuereinnahmen gesichert. Auch das Bewerbungsverfahren ist ungleich schlanker und kostengünstiger, es dauert zwischen drei und sechs Wochen je nach der Arbeitsbelastung in der zuständigen Behörde. Wenn die Personalvermittlung abgeschlossen ist (die Zusammenarbeit mit einer guten Agentur ist ein guter Anfang!), dann haben die Unternehmen in diesen Ländern nur selten die gleichen Probleme wie ihre britischen Kollegen.

Angesichts der Herausforderungen unserer heimischen Wirtschaft ist es unerlässlich, dass wir unsere Einwanderungsbestimmungen ändern, damit unsere heimischen Unternehmen erfolgreich sein können. Großbritannien konkurriert mit anderen Industrieländern, ist jedoch durch Bürokratie und Regulierung auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Die aktuelle Regierung – in der Regel für beide Probleme verantwortlich – muss schnell und entschlossen handeln, um hier Abhilfe zu schaffen.